
Das erste inhalative Insulin kommt voraussichtlich demnächst unter dem Namen „Exubera“ auf den Markt. Wegen der weit verbreiteten Abneigung gegen Nadeln suchen Wissenschaftler schon lange nach einer Möglichkeit, Insulin ohne Spritze zu verabreichen. Und nach zahlreichen fehlgeschlagenen Versuchen, Insulin als Tablette, Spray oder Pflaster zu verabreichen, scheint nun die Einnahme von Insulin über die Lunge in greifbarer Nähe zu liegen.
Die Lunge ist aus verschiedenen Gründen für die Aufnahme von Insulin geeignet. Im Magen würde Insulin sofort durch Enzyme zerstört. Doch solche Enzyme gibt es in der Lunge kaum, zudem ist die Aufnahmefläche mit etwa 100 qm sehr groß. Zum Inhalieren wird das Insulin mit anderen Stoffen zu etwa 2 µm kleinen Partikeln verarbeitet. Diese Partikel können aufgrund ihrer Größe in die Lunge eingeatmet, aber nicht mehr ausgeatmet werden. In der Lunge lösen sie sich bei Kontakt mit Flüssigkeit sofort auf und das Insulin kann aufgenommen werden. Inhalatives Insulin ist gut haltbar und kann bei Raumtemperatur 2 Jahre ohne Konservierungsstoffe gelagert werden. Die richtige Anwendung, die bei Medikamenten zum Inhalieren sehr wichtig für die Wirkung ist, soll durch einen speziellen Inhalator sichergestellt werden
Das inhalative Insulin wirkt etwa genauso schnell und genauso lang wie kurzwirksame Insulinanaloga, die schon länger in der Diabetes-Therapie verwendet werden. Es gibt auch sonst keinen Vorteil in der Kontrolle des Blutzuckers gegenüber den bisher verwendeten Insulinen. Aus diesem Grund hat die US-amerikanische Zulassungsbehörde sehr lange gezögert. Die Zulassung, die das Medikament inzwischen in den USA und Europa bekommen hat, ist an die Durchführung weiterer Studien zur Sicherheit für die Lunge gebunden. Inhalatives Insulin ist laut den bisherigen Studien gut verträglich. Als Nebenwirkungen wurden Husten, Kurzatmigkeit, Reizungen der Rachenschleimhaut und Mundtrockenheit beobachtet. Bei Therapiebeginn kann es auch zu einem leichten Abfall der Lungenfunktion kommen. Daneben wurden ähnliche Nebenwirkungen beobachtet wie bei Insulin zum Spritzen.
Inhalierbares Insulin ist nicht für jeden Patienten geeignet. Patienten mit Lungenerkrankungen können inhalatives Insulin nur eingeschränkt benutzen. Raucher und solche, die das Rauchen erst aufgegeben haben, dürfen keinesfalls inhalatives Insulin benutzen. Denn Rauchen verstärkt die Aufnahme von Insulin über die Lunge stark. Eine akute Bronchitis dagegen beeinflusst die Anwendung von inhalativem Insulin nicht. Grundsätzlich sollten sich Patienten vor der Verordnung und danach alle 6 bis 12 Monate einer Prüfung der Lungenfunktion unterziehen.
Ob sich inhalatives Insulin gegenüber dem herkömmlichen Insulin zum Spritzen durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Und gänzlich kann auch bei inhalierbarem Insulin nicht auf den „Pieks“ verzichtet werden: die Kontrolle des Blutzuckers bleibt notwendig und für den basalen Insulinbedarf muss weiterhin ein langwirksames Insulin gespritzt werden.
In den USA ist inzwischen das erste Medikament für Typ-2-Diabetiker aus einer neuen Substanzklasse zugelassen. Der Wirkstoff heißt Exenatide und regt die Beta-Zellen im Pankreas zur Insulin-Produktion an. Außerdem hemmt es den Gegenspieler von Insulin, das Glukagon, mindert den Appetit und verlängert die Zeit, die die Nahrung im Magen verweilt. Entdeckt hat das neue Medikament ein amerikanischer Arzt als Bestandteil des Speichels einer nordamerikanischen Krustenechse. Hergestellt wird es jetzt jedoch gentechnisch. Für Europa soll die Zulassung voraussichtlich 2006 beantragt werden.
Das Leben eines Diabetikers könnte wesentlich einfacher sein, wenn die Blutzuckermessung quasi "von selbst", z.B. am Handgelenk erfolgen würde. Möglich ist dies mit einem Blutzuckermessgerät, das wie eine Uhr am Handgelenk getragen wird (GlucoWatch®). Grundlage für die Blutzuckermessung ist die Impedanz-Spektroskopie-Technik, die eine mittlerweile erwiesene Veränderung der elektrischen Leitfähigkeit des Blutes in Abhängigkeit vom Glucose-Spiegel erfasst. Das Gerät ist in Deutschland allerdings nicht zugelassen. Kritiker bemängeln die unzuverlässige Blutzuckermessung, Hautreizungen und den fehlenden praktischen Nutzen, da das Gerät mit einer normalen Blutzuckermessung kalibriert werden muss und recht teuer ist.
Bei Diabetes mellitus Typ 1 können das Immunsystem beeinflussende Medikamente (z.B. Ciclosporin A) den Krankheitsverlauf abschwächen, da es sich bei dem Typ-1-Diabetes um eine Autoimmunerkrankung handelt. Leider sind solche Erfolge nur kurzlebig und äußerst nebenwirkungsreich. Die Möglichkeit, einen Diabetes mellitus Typ 1 mit Hilfe eines Antikörpertests frühzeitig zu diagnostizieren, hat aber zu anderen experimentellen Strategien geführt, das endgültige Ausbrechen des Diabetes mellitus in einem frühen Stadium zu verhindern.
Neuere Studien haben ergeben, dass Vitamin D3 das Immunsystem bei Diabetes mellitus-gefährdeten Patienten günstig beeinflussen kann. Somit könnten die zerstörerischen Prozesse in der Bauchspeicheldrüse aufgehalten werden. Diese Medikamente könnte man auch bei einer Inselzell-Transplantation einsetzen. Auch die vorübergehenden Insulintherapie zur Desensibilisierung und Ruhigstellung der Insulin produzierenden B-Zellen scheint erfolgversprechend zu sein. Hier wurden generell positive Effekte gesehen, das Auftreten eines Typ-1-Diabetes wurde aber nicht in jedem Fall verhindert. Anscheinend können auch spezielle Antikörper, die die zerstörerischen Autoantikörper in Schach halten, die Restfunktion der Bauchspeicheldrüse über einen Zeitraum erhalten. In Versuchen mit Ratten löste die kurzzeitige Behandlung einen anhaltenden Stillstand der Erkrankung aus.
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